Die Geschichte von
Stonehenge
Die UNESCO erklärte Stonehenge im Jahr
1986 zum Weltkulturerbe.
Stonehenge, ein vorgeschichtlicher Kromlech (kreisförmige Steinkreissetzung)
in einer Ebene 13 km nördlich von Salisbury im Südwesten Englands (Grafschaft
Wiltshire im Zentrum der Wessex-Kultur) aus dem Neolithikum (zeitlich
nach der Mittelsteinzeit) und der Bronzezeit. Stonehenge ist das berühmteste
Megalithmonument Englands und das bedeutendste prähistorische Bauwerk
Europas.
Von frühester Zeit an erweckte der Steinkreis in seinen Besuchern Ehrfurcht
und Neugier. Schon siebzig Jahre nach der Eroberung Englands durch die
Normannen wurde er zum ersten Mal als eines der Wunder Britanniens erwähnt.
Seitdem wurde immer wieder von fast jedem Volk vor- oder frühgeschichtlicher
Zeit behauptet, es habe ihn erbaut.
Allgemeines
Erst
während des 20. Jahrhunderts haben archäologische
Ausgrabungen verlässliche Informationen über sein Alter und
seine Geschichte ergeben, die es uns jetzt ermöglichen zu
sagen, welches die hauptsächlichen Merkmale von Stonehenge
sind und wann ungefähr und in welcher Reihenfolge die
verschiedenen Formen erbaut wurden.
Stonehenge wurde in verschiedenen Abschnitten gebaut, wahrscheinlich zunächst
ein Steinkreis als Einfriedung für Zeremonien, der von Wall und Graben
umgeben war. Ungefähr um 2200 v. Chr. wurden die 32 Blausteine (Doloriten)
von den Preseli-Bergen im Südwesten von Wales herangeschafft. Der Altarstein
stammt sehr wahrscheinlich aus einer Region bei Milford Haven (Pembrokeshire).
Stonehenge wurde zweifellos von einem Volk gebaut, das
weitgespannte Handelsverbindungen hatte und seine
Hauptsiedlungen zwischen 1600 und 1300 v. Chr. in diesem
Gebiet gründete. Um das Monument herum liegen etwa 400
Tumuli (Hügelgräber) aus der Zeit zwischen 2000 und 1500 v.
Chr. Sie enthielten reiche Grabbeigaben und Splitter von
Blausteinen, ähnlich denen der konzentrischen Kreise.
Stonehenge scheint seine Bedeutung als Stätte für
Begräbnisse gegen Ende der Bronzezeit verloren zu haben.
Ungefähr zwischen 55 v. Chr. und 410 n. Chr. rissen die
Römer eine Reihe der aufrecht stehenden Steine nieder.
Ausserdem stürzten zwei aufrechte Steine und ein Deckstein
westlich des Altarsteins im Januar 1797 sowie ein anderer
mit seinem Deckstein 1900 um. 1958 wurden diese Steine
wieder aufgerichtet, wodurch das Monument ungefähr wieder
sein Aussehen zurzeit der römischen Besatzung erhielt. Auf
einigen dieser umgefallenen Steine wurden flache
Eingravierungen entdeckt (1953). Sie stellen
Bronzeaxtschneiden dar, die in Grossbritannien zwischen
1600 und 1400 v. Chr. benutzt wurden, und einen Dolch mit
Griff, der zwischen 1600 und 1500 v. Chr. in Mykene
(Griechenland) benutzt wurde.
Die Kalendertheorie
Stonehenge
könnte dazu benutzt worden sein, die Sommer- und
Wintersonnenwende, das Frühlings- und Herbstäquinoktium
(Tagundnachtgleiche) sowie Sonnen- und Mondfinsternis
vorauszusagen. Vielleicht hat es auch zur Vorhersage der
verschiedenen Stellungen von Sonne und Mond zur Erde und
damit zur Vorhersage der Jahreszeiten gedient, war also
eine Art Kalender. Stonehenge könnte auch ein
Versammlungsort für religiöse Zeremonien gewesen sein, die
mit Sonne und Mond zu tun hatten. Die Betonung der
Kreisform könnte den Kreislauf des Lebens, den von Geburt
und Tod sowie den der Jahreszeiten widerspiegeln.
Gestaltung
Stonehenge besteht aus vier konzentrischen Steinkreisen. Der äusserste
hat einen Durchmesser von 30 Metern und wird von rechteckigen Sandsteinblöcken
(Sarsensteine) gebildet, die ursprünglich durch Querblöcke verbunden
waren. Innerhalb dieses äusseren Kreises befindet sich einer aus kleineren
Blausteinen (Doleriten). Er umschliesst eine hufeisenförmige Steinsetzung
aus Blausteinen mit Decksteinen, in der ein Block aus Glimmersandstein
steht, der so genannte Altarstein.
Die gesamte Anlage ist von einem kreisförmigen Graben mit
einem Durchmesser von 104 Metern umgeben. An seiner
Innenseite erhebt sich ein Erdwall, in dem sich ein Ring
von 56 Löchern befindet, die als Aubrey-Holes (nach ihrem
Entdecker, dem Altertumsforscher John Aubrey) bezeichnet
werden und für die Feuerbestattung benutzt wurden. Im
Nordosten werden Wall und Graben von der Avenue
durchschnitten, einem Prozessionsweg von 23 Metern Breite
und fast drei Kilometern Länge, der ebenfalls von einem
Wall gesäumt wird.
Nahe dem Eingang zur Avenue steht der Slaughter Stone
(Schlachtstein), ein Sarsenstein, der ursprünglich aufrecht
gestanden haben mag. Fast gegenüber und auf der Avenue
befindet sich der Heel Stone (Fersenstein), der vermutlich
eine Rolle bei der Beobachtung des Sonnenaufgangs zur
Sommersonnenwende gespielt hat.
Astronomie in Stonehenge
Seit dem frühen achtzehnten Jahrhundert weiss man,
dass die Achse des Kreises aus Sarsensteinen etwa auf einen
Punkt weist, von dem aus ein Beobachter im Zentrum von
Stonehenge den Sonnenaufgang am längsten Tag des Jahres in
seiner am Horizont am weitesten nördlich liegenden Stellung
sehen konnte. Der Eingang wurde ebenfalls während der Zeit
der Benutzung von Stonehenge geringfügig neu ausgerichtet,
um astronomische Veränderungen des Sonnenaufgangs zur Zeit
der Sommersonnenwende über Jahrhunderte hin zu
kompensieren...
In jüngerer Zeit wurde die Theorie vertreten, dass die
Verbindungslinien zwischen den vier Stationssteinen
ebenfalls auf die am Horizont nördlichste und südlichste
Stellung für den Auf- und Untergang von Sonne und Mond
hinweisen könnten und der Breitengrad von Stonehenge
gewählt worden sei, damit diese Richtungslinien paarweise
im rechten Winkel dazu verlaufen würden.
Weiterhin wurde die Theorie aufgestellt, der Ring der
Aubrey-Löcher hätte als vereinfachtes Modell der Umlaufbahn
von Sonne und Mond benutzt werden können, um Eklipsen
vorauszusagen. Ausserdem wurde behauptet Stonehenge habe
als Observatorium gedient, um sehr genaue Beobachtungen der
äussersten Punkte für Aufgang und Untergang des Mondes
vorzunehmen.
Untersuchungen anderer Steinkreise in Grossbritannien
sowie in Stonehenge selbst zeigten jedoch, dass die meisten
- wenn nicht sogar alle - dieser Ausrichtungen rein
zufälliger Natur sind und von den Menschen der
Jungsteinzeit und Bronzezeit, die diese Steine
aufrichteten, nicht beabsichtigt waren. Ausrichtungen
hatten ihrer Absicht nach eher Symbolgehalt als
wissenschaftliche Grundlage, obwohl sie in vielen Fällen
ganz allgemein mit der Richtung des Sonnenaufgangs und
-untergangs verbunden waren. Der Gebrauch von Stonehenge
als astronomische Beobachtungsstätte der vorgeschichtlichen
Zeit wird weiterhin eine Sache der Mutmassung bleiben.
Archäologische Funde stützen diese Behauptung nicht.
Die Druiden
Vor 300 Jahren vertrat der Altertumsforscher John Aubrey
zum ersten Mal die Meinung, Steinkreise seien Tempel der
Druiden. Seit damals wurde allgemein angenommen, Stonehenge
sei von den Druiden erbaut und benutzt worden. Diese
Annahme ist sicherlich falsch. Alles, was wir über die
Druiden wissen, wurde von Schriftstellern der Antike
festgehalten - wie etwa von Julius Cäsar. Sie berichten,
dass es sich um eine keltische Priesterschaft handelte, die
ihre Blütezeit in Britannien in der Zeit der Eroberung
durch die Römer, eventuell aber auch schon in einigen
vorausgehenden Jahrhunderten hatte. Zu jener Zeit jedoch
standen die Steine von Stonehenge schon seit zweitausend
Jahren, und das Denkmal war wahrscheinlich bereits eine
Ruine.
Überdies ist diesen Berichten ganz klar zu entnehmen, dass
die Druiden keine eigenen Tempel bauten, sondern ihre
Zeremonien auf Waldlichtungen abhielten. Es mag jedoch
sein, dass die Druiden ihr Wissen und die Beobachtung von
Naturereignissen - wozu auch Astronomie gehört - von den
Erbauern Stonehenges ererbt hatten, und dass dieses Wissen
über Jahrhunderte hinweg durch mündliche Überlieferung
weitervermittelt worden war.
Es wird berichtet, dass die Überlieferungen der Druiden in
einer Reihe endloser Verse enthalten waren und ein Novize
für das Auswendiglernen bis zu zwanzig Jahre brauchte. Da
es für das vorgeschichtliche Britannien keinerlei Nachweise
für irgendeine Methode der Aufzeichnung oder des
Niederschreibens von Zahlen gibt, wäre dies eine
Möglichkeit gewesen, dieses Wissen zu bewahren und von
einer Generation an die nächste weiterzugeben. Heute wissen
wir zum Beispiel, dass im Pazifik genaue Segelanweisungen
für lange Seereisen lediglich durch mündliche Überlieferung
über mehrere Jahrhunderte weitergegeben wurden.
(Quelle: Mastertools)
