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Das Vorwort zu Stonehenge
Wie die Idee einer "Brettspiel-Anthologie" entstand...

Ein einziges Kartenblatt für viele verschiedene Spiele – dies machte einen großen Teil meiner frühen Faszination für ein klassisches Kartenspieldeck aus. Mit den Karten konnte man Mau Mau, Skat, Canasta, Rommé, Doppelkopf, Poker, Bridge und viele, viele weitere Spiele spielen. Meine Eltern besaßen ganze Bücher über klassische Kartenspiele. Wie anders war das doch bei Schach oder Monopoly.

Als mich Spiele und Spielentwicklung immer mehr in ihren Bann schlugen, stellte ich fest, dass die Vorgabe – ein Satz Spielmaterial für eine Spielregel – nicht nur bei den Kartenspielen nicht stimmte. Ich erfand andere Spiele, die ich auf einem Schachbrett spielen konnte oder mit Schachfiguren. Manche waren nur Varianten von Schach, andere aber entfernten sich weit von ihrem Ursprung. Ich experimentierte mit Kampf-Monopoly und Poker-Monopoly.

Als ich in die Welt der professionellen Spieleentwickler eintauchte, erkannte ich, dass viele andere Autoren meine ausufernde Vorstellung davon teilten, was für unterschiedliche Regeln und Mechaniken mit dem gleichen Spielmaterial benutzt werden konnten. Regelmäßig lässt man sich darüber aus, dass man bestimmte Elemente neuer Spiele selber anders entwickelt hätte oder kratzt sich am Kopf und fragt sich, warum Andere auf so eine brillante Idee für dieses Spielmaterial oder zu jenem Thema gekommen sind. Dann begeben wir uns in unsere Spieleschmieden und testen das Spiel mit unseren Regeln oder lassen die Geistesblitze der Anderen in eigene Entwicklungen mit einfließen.

Eine Idee reift...
Wie naheliegend ist es da, dieses Projekt zu beginnen! Man nimmt ein einfaches, flexibles Thema und einen gewöhnlichen Satz Spielmaterial. Dem fügt man nun eine Auswahl von Spieleautoren hinzu, um zu dieser – für alle gleichen – Vorgabe verschiedene Spiele zu entwickeln. Das klang nach einer wunderbaren Idee, und aus diesem Grund war ich stolz mit an Bord zu sein.

Der Plan, wie Mike Selinker ihn mir erläuterte, sah vor, eine “Brettspiel-Anthologie“ zu entwerfen. James Ernest hatte seit geraumer Zeit mit ähnlichen Ideen geliebäugelt und Mike fand, dass es an der Zeit war, tatsächlich einige Autoren für das Projekt zu rekrutieren. Auf das Thema Stonehenge konnte man sich schnell als stimmungsvolles Grundgerüst einigen, ohne dass dabei die Arten von Spielen zu stark limitiert würden. Die Anlage des Monuments selbst bot sich geradezu dafür an, in einem Spiel verwendet zu werden; es hat eine eingebaute Laufbahn und alle Sorten von interessanten inneren Anordnungen. Ein Handels-, Zeitreisen-, Politik- oder Magieduell-Spiel – alles das kann einfach auf Stonehenge bezogen werden. Nun, auf jeden Fall spätestens dann, wenn man kreativ interpretiert, wozu Stonehenge vielleicht einmal benutzt worden ist.

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Die Lego-Druiden
James fertigte die ersten Spielpläne an. Die Trilithen bestanden am Anfang aus Legosteinen, mit denen James gerne arbeitet. Die anfänglichen Konzepte für das Material enthielten alles Mögliche von dem, was wir Entwickler zum Entwickeln haben wollen: viele Leisten, Farben, Zahlen und Buchstaben. Damit das Spielfeld nicht mit Informationen überladen sein würde, sortierten wir im Laufe der Zeit einiges wieder aus und beschränkten uns auf die Elemente, mit denen wir alle noch leben konnten.

Richard Borg versorgte uns mit dem ersten Satz gewöhnlicher multifunktionaler Spielsteine, der gut auf dem Spielfeld einzusetzen war. Wir entwarfen einen Satz Karten, der auf die Bedürfnisse der Autoren zugeschnitten war: Es sollte Sets geben, es musste Karten geben, die mit Spielplanfeldern übereinstimmten und so weiter. Wir verteilten bestimmte Typen von Spielen, damit sich unsere Regeln am Ende nicht zu sehr ähnelten – als ob so etwas jemals schon passiert wäre...

Dann trudelten auf einmal schon die verschiedenen Spiele ein. Bruno Faidutti war der Erste. Sein Spiel, einen Hohepriester zu bestimmen, enthielt politische Mechanismen. Schnell folgten Richard Borgs Konfliktspiel, ein Rennspiel von Mike, ein Auktionsspiel von James und ein Bluffspiel von… mir.

Erschaffen Sie Ihr eigenes Stonehenge!
Und jetzt, wenn Sie unsere Spiele spielen, sich dabei am Kopf kratzen, sich über die Regeln auslassen und sich dabei hoffentlich gut unterhalten fühlen, nehmen Sie sich die Freiheit und überlegen Sie, wie Sie es machen würden. Wenn dieser Gedanke Sie reizt, probieren Sie Ihre Regeln aus – vielleicht lassen Sie einige unserer brillanten Ideen einfließen, vielleicht auch nicht. Es gibt keinen Grund, warum Sie unsere Anthologie nicht erweitern dürften!

Ihre neuen Ideen und Anregungen können Sie hier einsenden...

RichardGarfield_120 von Richard Garfield